Die Architekten des Übermenschen.
„Masters of the Universe" — Wie selbsternannte Visionäre ohne moralischen Kompass, mit unbegrenztem Geld und Zugang zu Spitzentechnologie die Zukunft der Menschheit formten. Und warum sich die Geschichte wiederholt.
Ein Essay von Christiane Reichwein | Februar 2026 | Teil 2 der Serie „Das Röntgenbild einer Epoche"
In meinem ersten Essay — „Das Röntgenbild einer Epoche" — habe ich nachgezeichnet, wie die Epstein-Akten ein Netzwerk aus Finanzkriminalität, Geheimdiensten und Technologiekontrolle offenlegen. Die Resonanz war überwältigend. Und die drängendste Frage, die mir seither gestellt wird, lautet: Wie tief geht das?
Die Antwort: Tiefer als ich selbst vermutet hatte.
Etwas ist in Bewegung geraten. Namen, die jahrzehntelang unantastbar schienen, stehen unter Druck. Eine merkwürdige Immunität — die wenig mit Rechtsstaatlichkeit und viel mit Macht zu tun hatte — beginnt zu bröckeln. Es gibt berechtigte Hoffnung, dass echte Untersuchungen stattfinden werden, wie sie bei jedem anderen Staatsbürger selbstverständlich wären. Ob diese Hoffnung trägt, wird sich zeigen. Was ich in den Akten gefunden habe, spricht dafür, dass der Druck nicht nachlassen darf.
Denn was ich seit der Veröffentlichung der Epstein-Akten in den über 3,5 Millionen Dokumentenseiten recherchiert habe — als Journalistin, die nie wirklich aufgehört hat, eine zu sein — hat mich in einen Bereich geführt, der mich als KI-Rednerin zutiefst erschüttert: den Transhumanismus. Die Bewegung, die davon träumt, den Menschen durch Technologie zu „verbessern" — ihn schneller, intelligenter, unsterblich zu machen. Und die, wie die Akten zeigen, über Jahre hinweg systematisch von Jeffrey Epstein finanziert wurde.
Ich muss Ihnen ehrlich sagen: Mein Entsetzen kennt keine Grenzen.
Nicht weil Transhumanismus per se verwerflich wäre — die Frage, wie Technologie unser Leben verlängern und verbessern kann, ist eine legitime wissenschaftliche Frage. Sondern weil in diesen Akten Namen auftauchen, die jeder kennt, der sich mit künstlicher Intelligenz beschäftigt: Ray Kurzweil — Googles Director of Engineering und Vordenker der „Singularität", der Verschmelzung von Mensch und Maschine. Ben Goertzel — einer der Pioniere der Artificial General Intelligence und Schöpfer des humanoiden Roboters Sophia. Joscha Bach — ein renommierter kognitiver Wissenschaftler, der am MIT Media Lab arbeitete. Marvin Minsky — der Begründer der KI-Forschung am MIT, der auch in den Missbrauchsvorwürfen auftaucht.
Und jetzt kommt der Punkt, der für mich die moralische Demarkationslinie darstellt — und das muss vorweggenommen werden, weil es alles Folgende in ein bestimmtes Licht rückt:
Jeffrey Epstein wurde 2008 wegen der Vermittlung von Prostitution Minderjähriger verurteilt und als Sexualstraftäter registriert. Das war öffentlich. Das war bekannt. Das war keine Grauzone.
Wer danach — nach 2008 — Geld von diesem Mann annahm, ihn zu Konferenzen einlud, E-Mails mit ihm austauschte, in denen man investigative Berichterstattung über seine Verbrechen als „Medien-Idiotie" abtat, und wer seinen Zugang nutzte, um öffentliche Forschungsgelder zu hebeln — der tat das im Wissen um Epsteins Status als verurteilter Sexualstraftäter. Die Akten dokumentieren das lückenlos. Was das bedeutet, kann jeder selbst beurteilen.
Was mich dabei am meisten beschäftigt, ist nicht das individuelle Verhalten einzelner Forscher. Es ist die strukturelle Frage, die sich dahinter verbirgt: Wie konnte es dazu kommen, dass ein verurteilter Sexualstraftäter zur zentralen Finanzierungsquelle einer der wichtigsten Technologien unserer Zeit wurde? Und was sagt das über ein System, in dem wissenschaftlicher Fortschritt so chronisch unterfinanziert ist, dass Forscher bereit sind, Geld aus praktisch jeder Quelle anzunehmen?
Zeitgleich zeigt eine Anhörung im US-Kongress, wie weit die institutionelle Dimension reicht: Der Abgeordnete Ted Lieu aus Kalifornien konfrontierte Justizministerin Pam Bondi mit der Tatsache, dass es über 1.000 dokumentierte Opfer von Sexhandel im Epstein-Netzwerk gibt — und dass bislang kein einziger der Kunden strafrechtlich verfolgt wurde. Nicht unter Merrick Garland, nicht unter Bill Barr, nicht unter Pam Bondi. Lieu zitierte den Federal Victims' Trafficking Protection Act: Nicht nur Epstein ist schuldig — jeder, der sein System in Anspruch nahm, hat sich strafbar gemacht. Und dennoch: über 1.000 Opfer, null Verurteilungen.
Quelle: Öffentliche Anhörung des US-Justizausschusses, Abgeordneter Ted Lieu (CA) befragt AG Pam Bondi, Februar 2026; Federal Victims' Trafficking Protection Act
In diesem zweiten Essay werde ich Ihnen zeigen, wie Epsteins Geld die Grundlagen der Technologie finanzierte, die heute unser aller Leben bestimmt. Wie ein verurteilter Sexualstraftäter zur wichtigsten Finanzierungsquelle für die Entwicklung allgemeiner künstlicher Intelligenz wurde. Und warum die Bewegung, die sich „Transhumanismus" nennt, so eng mit seinem Netzwerk verwoben ist, dass man sie nicht mehr getrennt betrachten kann.
Aber auch dieses Mal endet die Geschichte nicht in der Dunkelheit. Sie endet mit der Frage, was wir jetzt daraus machen.
Teil 1: Was ist Transhumanismus — und warum sollte es uns alle interessieren?
Bevor wir in die Akten eintauchen, muss ich einen Begriff klären, der in den nächsten Jahren so selbstverständlich in unserem Alltag auftauchen wird wie heute das Wort „Algorithmus": Transhumanismus.
Im Kern ist die Idee einfach: Die Menschheit soll durch Technologie über ihre biologischen Grenzen hinauswachsen. Krankheiten eliminieren. Das Altern stoppen. Die kognitive Leistung steigern. Mensch und Maschine verschmelzen. Das klingt zunächst nach Science-Fiction — und teilweise ist es das auch. Aber die Forschungsprogramme, die diesen Zielen zugrunde liegen, sind real, milliardenschwer und in vollem Gange.
Das Problem ist nicht die Vision. Das Problem ist, was passiert, wenn diese Vision in die Hände von Menschen gerät, die keinen moralischen Kompass haben.
Denn Transhumanismus hat einen dunklen Zwilling. Und dieser Zwilling heißt Eugenik — die pseudowissenschaftliche Idee, die Menschheit durch gezielte Selektion zu „verbessern". Die Nazis haben diese Idee bis zu ihrer tödlichen Konsequenz getrieben. Was die Epstein-Akten zeigen, ist: Dieselbe Grundidee — die Vorstellung, dass manche Menschen genetisch „überlegen" und andere „überflüssig" sind — hat in den letzten zwei Jahrzehnten ein neues Gewand bekommen. Ein technologisches Gewand. Finanziert von Jeffrey Epstein.
Epstein verglich die Gesellschaft mit einem biologischen Organismus. „Tote Zellen", sagte er, müssten „weggewaschen" werden. „Krebszellen" — Elemente, die nicht mehr nützlich seien — müssten „beseitigt" werden. Er sprach selten über Menschen. Er sprach über Organismen, Systeme, Effizienz. Er plante — dokumentiert in der New York Times — seine Ranch in New Mexico als Zuchtstation zu nutzen, in der bis zu zwanzig Frauen gleichzeitig mit seinem Sperma befruchtet werden sollten, um die Menschheit mit seiner DNA zu „besäen".
Quellen: The New York Times, „Jeffrey Epstein Hoped to Seed Human Race With His DNA", Juli 2019; The Guardian, „Private jets, parties and eugenics", August 2019
Transhumanismus ohne moralischen Kompass ist Eugenik mit besserer Technologie. Und genau das hat Epstein finanziert.
Und er finanzierte nicht nur die Ideen. Er finanzierte die Menschen, die diese Ideen in die Realität umsetzen konnten. Die klügsten Köpfe der KI-Forschung. Die Architekten der Technologien, die heute unser aller Leben bestimmen. Schauen wir uns an, wer das war — und wie tief die Verstrickung geht.
Hintergrund: Warum KI, Langlebigkeit und Transhumanismus zusammengehören
Der „perfekte Sturm" der Ideologien — und warum Akteure wie Epstein davon angezogen wurden
Der Zusammenfluss von Künstlicher Intelligenz (KI), Longevity (Langlebigkeit) und Transhumanismus ist kein Zufall, sondern das Ergebnis einer gemeinsamen technologischen Roadmap und einer tief verwurzelten philosophischen Überzeugung. In der Welt der Tech-Elite werden diese Felder oft als eine Einheit betrachtet, die darauf abzielt, die biologischen Grenzen des Menschen zu sprengen.
1. KI als ultimativer Forschungsbeschleuniger
Transhumanisten wie Ben Goertzel argumentieren, dass eine echte KI (AGI) „ein Jahrhundert an Entdeckungen in einem Jahrzehnt" liefern könnte. Während menschliche Forscher Jahrzehnte brauchen, um komplexe molekulare Netzwerke oder genetische Alterungsprozesse zu verstehen, kann KI Billionen von Datenpunkten in Echtzeit analysieren.
Digital Twins: KI ermöglicht digitale Kopien des eigenen Körpers, an denen Behandlungen simuliert werden können, bevor sie am Menschen getestet werden.
Gen-Editierung: KI identifiziert die präzisen Ziele für Werkzeuge wie CRISPR, um „Langlebigkeitsgene" zu aktivieren oder Alterungsprozesse auf zellulärer Ebene umzukehren.
2. Die Singularität als Überlebensstrategie
Für Vordenker wie Ray Kurzweil ist die „Singularität" — der Punkt, an dem KI die menschliche Intelligenz übertrifft — untrennbar mit der Unsterblichkeit verbunden.
Longevity Escape Velocity: Kurzweil prognostiziert, dass wir um 2032 die „Fluchtgeschwindigkeit der Langlebigkeit" erreichen — ein Punkt, an dem die Wissenschaft der verbleibenden Lebenszeit jedes Jahr mehr als ein Jahr hinzufügt.
Mind Uploading: Das ultimative Ziel vieler Transhumanisten ist es, das Bewusstsein von der fragilen biologischen Hülle zu trennen und in die „Cloud" hochzuladen. KI ist die notwendige Softwarearchitektur, um diesen Prozess überhaupt erst zu ermöglichen.
3. Die ideologische Klammer: TESCREAL
Kritiker wie Timnit Gebru und Émile Torres haben den Begriff TESCREAL geprägt, um das Bündel an Ideologien zu beschreiben, das das Silicon Valley antreibt: Transhumanism, Extropianism, Singularitarianism, Cosmism, Rationalism, Effective Altruism und Longtermism.
Techno-Utopismus: Die Überzeugung, dass alle menschlichen Probleme — einschließlich des Todes — technische Probleme sind, die durch genug Rechenleistung gelöst werden können.
Longtermism: Der Fokus auf Milliarden von Menschen, die in der fernen Zukunft (evtl. als digitale Wesen) existieren könnten, was aktuelle moralische Bedenken oft in den Hintergrund rückt.
4. Warum Akteure wie Jeffrey Epstein davon angezogen wurden
Für jemanden wie Epstein bot dieser Zusammenfluss die perfekte Plattform für Macht und persönlichen Fortbestand. Er sah im Transhumanismus eine moderne Form der Eugenik — die Idee, die menschliche Rasse durch Technologie und genetische Selektion zu „optimieren".
Eugenik 2.0: Epstein diskutierte Pläne, die Menschheit mit seiner eigenen DNA zu „besamen" und nutzte transhumanistische Treffen, um über genetische Experimente und Kryonik zu sprechen.
Status durch Patronage: Als Förderer der „Edge Science" erkaufte er sich Zugang zu den klügsten Köpfen der Welt — und suchte Wege, seinen Einfluss über den biologischen Tod hinaus zu sichern.
KI liefert das Werkzeug. Longevity ist das Ziel. Transhumanismus bietet den philosophischen Rahmen, um die Überwindung des Menschseins als moralischen Imperativ darzustellen.
Teil 2: Ray Kurzweil und die „Billionaires' Dinners" — Wenn die Tech-Elite am Tisch eines Verbrechers speist
Ray Kurzweil ist kein Randphänomen. Er ist Googles Director of Engineering, einer der einflussreichsten Technologiedenker der Welt und der Mann, der den Begriff „Singularität" populär gemacht hat — den Punkt, an dem künstliche Intelligenz menschliche Intelligenz übertrifft und Mensch und Maschine verschmelzen. Wenn über die Zukunft der KI gesprochen wird, ist Kurzweil einer der ersten Namen, die fallen.
Und genau dieser Name taucht in den Epstein-Akten auf.
Die Verbindung lief über einen Mann namens John Brockman — einen Literaturagenten und Gründer der Edge Foundation (Edge.org), die sich als intellektuellen Salon der weltweiten Wissenschaftselite positionierte. Brockman organisierte exklusive Abendessen, die als Treffpunkt der „schönsten Geister" vermarktet wurden — sogenannte „Billionaires' Dinners". Und der Mann, der diese Dinner über Jahre hinweg fast vollständig finanzierte, war Jeffrey Epstein.
Quellen: Investigative Berichte nach Epsteins Tod, 2019; Edge Foundation Steuerunterlagen; The New York Times, September 2019
Die dokumentierte Nähe
Ray Kurzweil war ein regelmäßiger Teilnehmer dieser von Epstein finanzierten Veranstaltungen. Die Dokumentation ist eindeutig:
Im Jahr 2004 nahm Kurzweil am sogenannten „Billionaires' Dinner" in Monterey, Kalifornien, teil — gemeinsam mit Jeff Bezos, Sergey Brin, Larry Page, Nathan Myhrvold und Jeffrey Epstein. Im September 2002 präsentierte Kurzweil im Edge-Netzwerk seinen Vortrag „The Intelligent Universe" — eingebettet in eine Gruppe, zu der auch der Epstein-finanzierte Marvin Minsky gehörte. Und in den 2026 freigegebenen Korrespondenzen zeigt sich, dass Einladungen für Edge-Dinner bis mindestens 2014 — etwa für ein Dinner in Vancouver — an eine Gästeliste gingen, auf der sowohl Epstein als auch Kurzweil standen, neben Elon Musk und Bill Gates.
Quellen: Edge.org Archiv; DOJ Epstein Files 2026; Evgeny Morozov, „Jeffrey Epstein's Intellectual Enabler", The New Republic, 2019
Die ideologische Überschneidung
Die Verbindung zwischen Kurzweil und Epstein war nicht nur sozial — sie war ideologisch. Kurzweils zentrale These — dass Mensch und Maschine verschmelzen werden — bot genau den theoretischen Rahmen, den Epstein suchte. Epsteins Transhumanismus, seine Besessenheit mit genetischer Optimierung und der Verlängerung des menschlichen Lebens, fand in Kurzweils „Singularität" das intellektuelle Fundament.
Epstein nutzte das gezielt: Er initiierte und finanzierte den Edge of Computation Science Prize — einen mit 100.000 Dollar dotierten Preis für Forschung, die „die Idee der Berechnung erweitert". Ein Kerngedanke von Kurzweils „Intelligent Universe"-These. Die Grenze zwischen Mäzenatentum und intellektueller Einflussnahme war hier längst verwischt.
Kurzweils Name erscheint in den 3,5 Millionen Seiten der 2026 freigegebenen Epstein-Akten — in Kontaktbüchern und auf Fluglisten. Er war ein dauerhafter Bestandteil von Epsteins intellektuellem Umfeld. Es gibt keine öffentlichen Belege dafür, dass Kurzweil direkte Forschungsgelder von Epstein erhielt, wie es bei Goertzel oder Minsky der Fall war. Aber die dokumentierte, jahrelange Teilnahme an Epstein-finanzierten Veranstaltungen — auch nach dessen Verurteilung 2008 — wirft Fragen auf, denen sich auch ein Mann von Kurzweils intellektueller Größe stellen muss.
Die Frage ist nicht, ob Kurzweil von Epsteins Verbrechen wusste. Die Frage ist, warum ein jahrelang von einem verurteilten Sexualstraftäter finanziertes Netzwerk intellektueller Veranstaltungen so lange als selbstverständlicher Treffpunkt der Wissenschaftselite akzeptiert wurde.
Teil 3: Ben Goertzel — Der Mann, der für Epstein die KI baute
Wenn Ray Kurzweil der Theoretiker im Orbit des Epstein-Netzwerks war, dann ist Ben Goertzel der Praktiker. Und seine Geschichte ist — das zeigen die Akten mit bemerkenswerter Detailtiefe — eine Geschichte darüber, was geschieht, wenn wissenschaftlicher Ehrgeiz auf einen Förderer ohne Grenzen trifft.
Goertzel ist einer der Pioniere der Artificial General Intelligence (AGI) — also des Versuchs, eine KI zu bauen, die nicht nur einzelne Aufgaben löst, sondern wie ein Mensch denkt, lernt und versteht. Er ist Schöpfer der OpenCog-Architektur, Mitbegründer von SingularityNET und der Mann hinter dem humanoiden Roboter Sophia. In der KI-Szene ist er eine Legende.
Was die Epstein-Akten über ihn offenlegen, ist erschütternd.
2001: Die Geburtsstunde einer Abhängigkeit
Im Jahr 2001 — als die KI-Forschung sich im sogenannten „AI Winter" befand und AGI von der akademischen Welt als utopisch abgetan wurde — erhielt Goertzel einen Zuschuss von 100.000 Dollar aus der Jeffrey Epstein VI Foundation. Dieses Geld finanzierte nicht nur Forschung. Es war Goertzels persönliches Gehalt. Ohne diesen Zuschuss hätte er seine Grundlagenarbeit an kognitiven Architekturen nicht fortsetzen können.
Quellen: Forensische Analyse der Epstein-Foundation-Zahlungen; Anadolu Agency, Februar 2026; Wikipedia: Ben Goertzel
Das illustriert Epsteins Methode: Er identifizierte brillante, unterfinanzierte Forscher an den Rändern des akademischen Mainstreams — und stellte gerade genug Kapital bereit, um langfristige Verbindungen aufzubauen. Goertzel war eines der frühesten Beispiele dieses Musters.
2011: Nach der Verurteilung — die Hand bleibt offen
Drei Jahre nach Epsteins Verurteilung und Registrierung als Sexualstraftäter spendete Epstein 20.000 Dollar an Humanity+ (ehemals World Transhumanist Association) — eine Organisation, deren Vizevorsitzender Ben Goertzel war. Die Gelder wurden über Darren Indyke abgewickelt, den Vizepräsidenten der Epstein-Stiftung, und flossen häufig direkt in Goertzels kommerzielle Projekte. Die Grenze zwischen gemeinnütziger Advocacy und privatwirtschaftlicher Forschung war in dieser Konstruktion faktisch aufgehoben.
E-Mail-Aufzeichnungen zeigen: Im selben Jahr bat Goertzel Epstein um weitere 10.000 Dollar. Sein Wortlaut: „I really can't afford $10,000 personally right now."
Quellen: Anadolu Agency, „Epstein aided AI pioneer in securing Hong Kong funding", Februar 2026; DOJ Epstein Files 2026
Halten wir fest: Ein führender KI-Forscher schreibt einem verurteilten Sexualstraftäter, dass er sich 10.000 Dollar nicht leisten kann — und bittet ihn um Geld. Drei Jahre nach der Verurteilung. Die Akten dokumentieren das.
Der Hong-Kong-Hebel: Wie $113.000 zu $1,14 Millionen wurden
Die raffinierteste Phase der Finanzbeziehung war ein sogenannter „Pass-Through"-Mechanismus, den Goertzel zwischen 2010 und 2016 in Hongkong einsetzte. Epstein stellte mindestens 113.000 Dollar bereit — nicht als direkte Forschungsgelder, sondern als strategisches Investment in ein System, das öffentliche Gelder hebelte.
Der Mechanismus funktionierte so: Epstein überwies Geld an die US-Non-Profit-Organisation Humanity+. Humanity+ leitete es weiter an Novamente, Goertzels private Softwarefirma. Novamente konnte damit als „Industry Sponsor" auftreten, was nach den Regeln des Hongkonger Innovation and Technology Fund (ITF) die Voraussetzung war, um öffentliche Fördergelder zu beantragen. Das Ergebnis: Aus Epsteins 113.000 Dollar wurden 8,9 Millionen Hongkong-Dollar — umgerechnet rund 1,14 Millionen US-Dollar — an öffentlichen Forschungsgeldern für drei Projekte an der Hong Kong Polytechnic University.
| Stufe | Akteur | Betrag | Rolle |
|---|---|---|---|
| Eingang | Jeffrey Epstein | ~$113.000 | Privater Geldgeber |
| Intermediär 1 | Humanity+ | ~$113.000 | Non-Profit-Durchlaufstation (Reputation Laundering) |
| Intermediär 2 | Novamente (Goertzel) | ~$113.000 | „Industry Sponsor" für öffentliche Anträge |
| Ergebnis | HK Innovation & Technology Fund | HK$8,9 Mio. (~$1,14 Mio.) | Öffentliche Steuergelder — 10:1 Hebel |
Quellen: Anadolu Agency, Februar 2026; DOJ Epstein Files 2026, Überweisungsbeleg EFTA01432671
Die durch diesen Mechanismus finanzierten Projekte waren integraler Bestandteil der OpenCog-Architektur und der Software, die letztlich den humanoiden Roboter Sophia antreibt. Epsteins Geld — das Geld eines verurteilten Sexualstraftäters — floss über drei Stationen in die Entwicklung einer der bekanntesten KI-Anwendungen der Welt. Und es hebelte dabei Steuergelder im Verhältnis eins zu zehn.
2015: „Media Idiocy" — Die entlarvende E-Mail
Eines der aufschlussreichsten Dokumente in den Epstein-Akten ist ein E-Mail-Wechsel aus dem Jahr 2015. In diesem Jahr intensivierte sich die Medienberichterstattung über Epsteins Verbrechen und den skandalösen „Sweetheart Deal", den er 2008 in Florida erhalten hatte. Als ein Assistent Epsteins andeutete, dass die Finanzierung möglicherweise pausieren müsse wegen des „aktuellen Umfelds", reagierte Goertzel sofort — und stellte sich auf die Seite des Verurteilten.
Er bezeichnete die investigative Berichterstattung als „bout of media idiocy" — einen „Anfall von Medien-Idiotie" — und schrieb: „I'm sorry you guys have to deal with that." Epsteins Reaktion: Er autorisierte die angeforderten 25.000 Dollar noch am selben Tag.
Quellen: DOJ Epstein Files 2026, E-Mail-Korrespondenz 2015; Anadolu Agency, Februar 2026
Vier Jahre später, nach Epsteins endgültiger Verhaftung 2019, erklärte Goertzel gegenüber der New York Times, die Enthüllungen seien „disturbing" und gingen „way beyond what I thought". Diese Diskrepanz zwischen privatem Zynismus und öffentlicher Betroffenheit spricht für sich.
| Jahr | Publikum | Goertzels Position |
|---|---|---|
| 2015 | Jeffrey Epstein (privat) | Medienberichte sind „utterly idiotic", ein „bout of media idiocy" |
| 2018 | Jeffrey Epstein (privat) | Einladung zu SingularityNET-Event, Bitte um „one-on-one"-Treffen |
| 2019 | New York Times (öffentlich) | Berichte seien „disturbing" und „go way beyond what I thought" |
| 2026 | Öffentlich (nach DOJ-Release) | AGI-Finanzierung war „almost impossible" — Rechtfertigung durch Geldmangel |
Die Verteidigung lautet: „Es gab kein anderes Geld für AGI-Forschung." Die Frage, die sich daraus ergibt, ist eine andere: Wie konnte es dazu kommen, dass ein verurteilter Sexualstraftäter zur wichtigsten Finanzierungsquelle einer der folgenreichsten Technologien unserer Zeit wurde? Das ist kein individuelles Versagen — das ist ein systemisches Problem.
Goertzels E-Mail-Signatur in diesen Korrespondenzen lautete: „My humanity is a constant self-overcoming." Ein transhumanistisches Credo, das im Kontext dieser Akten eine bemerkenswerte Doppelbödigkeit entfaltet.
Teil 4: Das Netzwerk hinter dem Netzwerk — Bach, Arel und die Systemfehler der Forschungsfinanzierung
Ben Goertzel war kein Einzelfall. Er war ein Knotenpunkt. Die Epstein-Akten zeigen, dass Goertzel als eine Art intellektueller Broker fungierte — er kuratierte ein Portfolio von Forschern, vermittelte sie an Epstein und koordinierte alternative Finanzierungswege, um direkte Assoziationen mit dem Verurteilten zu verschleiern.
Joscha Bach: $300.000, Schulgebühren und rassistische E-Mails
Der prominenteste sekundäre Nutznießer der Goertzel-Epstein-Verbindung war Joscha Bach, ein deutscher kognitiver Wissenschaftler. Die 2026 freigegebenen Dokumente belegen: Goertzel stellte Bach Epstein vor und schlug vor, Humanity+ als Vehikel zu nutzen, um Gelder an Bach weiterzuleiten. Goertzel koordinierte explizit „alternative Finanzierungswege", um eine direkte Verbindung zu Epstein zu vermeiden.
Bachs anschließende Anstellung am MIT Media Lab wurde maßgeblich von Epstein finanziert — mit Spenden von insgesamt rund 300.000 Dollar in den Jahren 2013 und 2014. Das entsprach etwa 40 Prozent von Epsteins gesamten Spenden an das Media Lab in diesem Zeitraum — nach seiner Verurteilung. Die 2026 freigegebenen Akten zeigen: Bach verwendete dieses Geld unter anderem für die Privatschulgebühren seiner Kinder und für Reisen zu Epsteins Anwesen in der Karibik.
Quellen: Wikipedia: Joscha Bach; DOJ Epstein Files 2026; MIT Media Lab Untersuchungsbericht, 2019
Bachs Verteidigung nach der Veröffentlichung: Der Umgang mit Verurteilten impliziere keine Billigung ihrer Verbrechen, und Epstein habe „ungewöhnliche Wissenschaftler" finanziert, die vom Mainstream marginalisiert wurden. Bach verglich die Arbeit mit den „Vätern der KI" wie Alan Turing.
Die 2026 freigegebenen Akten zeigen allerdings auch: Bachs eigene Korrespondenz mit Epstein enthielt Aussagen über kognitive Unterschiede zwischen ethnischen Gruppen und die intellektuellen Interessen von Frauen — Aussagen, die eine auffällige Nähe zu Epsteins dokumentierten suprematistischen und eugenischen Überzeugungen aufweisen.
Quellen: Mother Jones, „Jeffrey Epstein Couldn't Stop Emailing People About Eugenics", Februar 2026; Byline Times, „How Epstein Channelled Race Science", Dezember 2025
Itamar Arel: Wenn Epsteins Geld in staatliche Universitäten fließt
Ein weiteres Beispiel für die Reichweite des Netzwerks ist Itamar Arel, ein ehemaliger Associate Professor für Informatik an der University of Tennessee. Arel begann 2009 mit Epstein zu korrespondieren und präsentierte ihm Forschung zu Gesichtserkennungssystemen und AGI. In seinen E-Mails schrieb Arel: „I'm ready to change the world, given a chance to do so." Bis 2011 bat er Epstein um 50.000 Dollar Forschungsunterstützung.
Ein 2013 von Goertzel verfasstes Forschungsproposal für die Epstein-Stiftung zitierte Arel mehrfach und skizzierte Pläne für Roboter mit der kognitiven Kapazität eines menschlichen Kleinkinds. Goertzel nutzte seine Position als Epsteins primärer „KI-Berater", um ein Portfolio von Forschern zusammenzustellen — und fungierte dabei als intellektueller Makler für einen verurteilten Straftäter.
Quellen: UT Daily Beacon, „Former UT Professor's Emails with Epstein Revealed", Februar 2026; DOJ Epstein Files 2026
| Empfänger | Epstein-Finanzierung (nach 2008) | Institutionelle Anbindung |
|---|---|---|
| Ben Goertzel | ~$113.000 | Novamente / Humanity+ → HK Govt Grants |
| Joscha Bach | ~$300.000 | MIT Media Lab / Humanity+ |
| Itamar Arel | ~$50.000 (angefragt) | University of Tennessee |
| Harvard (PED/Nowak) | $6,5 Mio. | Program for Evolutionary Dynamics |
| MIT Media Lab (gesamt) | $736.000 | Diverse Projekte, intern „Voldemort" |
| Peter Attia (Longevity) | 1.700+ Dokumente | Zugang zu „Masters of the Universe" / Milliardärsklientel |
Das dokumentierte Muster: Goertzel identifizierte die Forscher. Epstein stellte das Geld bereit. Humanity+ diente als institutioneller Durchlaufposten. Und öffentliche Institutionen — von Hongkong bis Harvard — prüften die Herkunft der Mittel nicht. Die Frage, die sich hier stellt, ist nicht nur eine moralische. Es ist eine strukturelle.
Die dritte Säule: Longevity-Medizin und die „Masters of the Universe"
Epsteins Netzwerk umfasste nicht nur KI-Forscher und Transhumanisten. Es reichte direkt in die Longevity-Medizin — jenen Bereich, der im Infokasten dieses Artikels als zweite Säule beschrieben wird. Peter Attia, einer der weltweit bekanntesten Langlebigkeitsärzte mit Millionenpublikum und Bestseller-Autor, lernte Epstein 2015 kennen — sieben Jahre nach dessen Verurteilung. Die 2026 freigegebenen Akten enthalten über 1.700 Dokumente mit Attias Namen.
Die E-Mails dokumentieren eine enge, persönliche Beziehung. Attia schrieb Epstein, er wolle ihm fünf zusätzliche Lebensjahre verschaffen — „even if the only reason to do so is to have more sex." Er äußerte den Wunsch, Epsteins Insel und Ranch zu besuchen. In einer anderen E-Mail schrieb er: „The biggest problem with becoming friends with you — the life you lead is so outrageous, and yet I can't tell a soul."
Was Epstein ihm im Gegenzug bot, enthüllt eine E-Mail an Attia: Er wollte ihn „in front of the masters of the universe" bringen — vor die Herren des Universums. Gemeint war der Zugang zu Milliardären, die als Patienten für Attias hochpreisige Longevity-Praxis in Frage kamen.
Und als im November 2018 der Miami Herald Epsteins Verbrechen erneut detailliert dokumentierte, blieb Attia mindestens bis Februar 2019 in Kontakt. Am 4. Dezember 2018 — Wochen nach der Veröffentlichung — fragte er Epstein: „What is fallout from recent story?" Noch im Februar 2019 schrieb er: „Where are you these days?"
Quellen: DOJ Epstein Files 2026, E-Mail-Korrespondenz Attia/Epstein; über 1.700 PDFs mit Erwähnung Peter Attias in den freigegebenen Akten
Das Muster ist immer dasselbe: Zugang gegen Nähe. Prestige gegen Stillschweigen. Die Währung war immer dieselbe. Und der Satz — „masters of the universe" — sagt mehr über das Selbstverständnis dieses Netzwerks als jede Bilanzanalyse. Hier ging es nicht um Wissenschaft oder Mäzenatentum. Hier ging es um den Aufbau eines Imperiums, in dem sich selbsternannte Visionäre über die Regeln stellten, die für alle anderen gelten.
Wie sich die Geschichte wiederholt
Wer glaubt, das Muster sei neu, täuscht sich. Die Geschichte ist voll von Netzwerken, in denen sich Macht, Geld und das Gefühl der Unantastbarkeit zu Systemen verdichteten, die über Generationen hinweg funktionieren konnten — losgelöst von gesellschaftlichen Normen, losgelöst vom Gesetz.
Im feudalen Europa existierte das sogenannte Ius Primae Noctis — das angebliche Recht des Grundherrn auf die erste Nacht mit der Braut eines Leibeigenen. Ob es dieses „Recht" in der beschriebenen Form tatsächlich gab, ist unter Historikern umstritten. Was nicht umstritten ist: Der sexuelle Zugriff des Mächtigen auf die ihm Untergebenen war über Jahrhunderte hinweg gesellschaftliche Realität — vom römischen Patria Potestas, dem absoluten Verfügungsrecht des Familienoberhaupts über alle Mitglieder seines Haushalts, über die systematischen Übergriffe europäischer Kolonialherren auf kolonisierte Bevölkerungen bis hin zu den Missbrauchsstrukturen innerhalb der katholischen Kirche, die über Jahrzehnte hinweg institutionell gedeckt wurden.
Das Muster ist immer identisch: Eine Klasse von Menschen — ausgestattet mit Macht, Geld und dem Glauben an die eigene Überlegenheit — betrachtet den Zugriff auf andere Menschen als Teil ihres Status. Nicht als Verbrechen, sondern als Privileg. Nicht als Übergriff, sondern als Ausdruck ihrer Position.
Und genau hier schließt sich der Kreis zu den Epstein-Akten. Die Verhaftung von Prinz Andrew — eines Mannes, neben dem auf Fotos minderjährige Betroffene stehen, deren Gesichter das Justizministerium zum Schutz der Opfer schwärzen musste — erfolgte wegen Amtsmissbrauchs. Nicht wegen der sexuellen Übergriffe, die ihm vorgeworfen werden. Die Vorwürfe existieren. Die Fotos existieren. Die Zeugenaussagen existieren. Aber die Anklage spiegelt das nicht wider.
Man könnte manchmal glauben, jemand hätte an der Uhr gedreht — zurück in eine Zeit, in der der Gutsherr sich eben an einer Magd vergehen durfte, weil es zu seinem Stand gehörte. In der der sexuelle Zugriff auf Schutzbefohlene kein Verbrechen war, sondern ein Privileg der Klasse. In den Epstein-Akten heißt dieses Privileg „access" — Zugang. Zu Inseln, zu Ranches, zu minderjährigen Mädchen. Und die Währung, mit der es bezahlt wurde, hieß nicht Feudalrecht. Sie hieß Philanthropie.
„Masters of the Universe" — so nannte Epstein die Milliardäre, vor die er seine Günstlinge bringen wollte. Der Begriff ist entlarvender, als er ahnte. Denn was diese „Herren des Universums" taten, war so alt wie die Menschheitsgeschichte: Sie nahmen sich, was sie wollten — und die Institutionen, die sie hätten stoppen sollen, sahen zu.
Teil 5: Vom Labor zur Babyfarm — Wenn Ideologie auf unbegrenzte Ressourcen trifft
Was passiert, wenn ein Mann ohne moralischen Kompass, mit unbegrenztem Geld und Zugang zu Spitzentechnologie, die Idee der „genetischen Optimierung" nicht nur finanziert, sondern selbst umsetzt? Die Epstein-Akten geben eine dokumentierte Antwort.
Die Designer-Baby-E-Mails
In den freigegebenen E-Mails findet sich eine Korrespondenz zwischen Epstein und Bryan Bishop, einem Bitcoin-Entwickler und Biohacker. Bishop präsentierte Epstein ein detailliertes Projekt zur Herstellung von „Designer-Babys" und diskutierte offen über menschliches Klonen. Ein Fünfjahresplan mit einem Budget von 9,5 Millionen Dollar hatte zum Ziel — ich zitiere aus der E-Mail — „the first live birth of a human designer baby and possibly a human clone within 5 years."
Bishop betonte in seinen E-Mails immer wieder die Notwendigkeit absoluter Anonymität: „Sounds like you could be the first investor as long as absolute anonymity is kept." Alles sollte verdeckt laufen — unter dem Deckmantel eines bestehenden Forschungsprojekts, mit geheimer Finanzierungsstruktur. Die Mausversuche liefen in einem Labor in der Ukraine. Frühexperimente mit menschlicher Spermienmodifikation fanden in Mississippi statt.
Quellen: DOJ Epstein Files 2026, E-Mail-Korrespondenz Epstein/Bishop; MIT Technology Review, 2019 (zu den ukrainischen Laborexperimenten); Kim Iverson Show, investigative Analyse, Februar 2026
Das Tagebuch eines Opfers
Was in den aktuellen Aktenfreigaben am tiefsten verstört, sind die Tagebucheinträge einer Minderjährigen. Dieses Mädchen beschreibt, wie sie von Epstein und Ghislaine Maxwell geschwängert wurde. Sie schreibt über „so many bonding moments with Jeffrey, Ghislaine, and their baby inside me." Sie spricht von einem „überlegenen Genpool" und fragt sich: „Why me? Why my hair color and eye color?"
Und dann schreibt sie den Satz, der mich als Mutter nicht mehr loslässt: Sie nennt Epsteins Ideen „very Nazi-like".
Sie beschreibt, wie sie sich als „menschlicher Brutkasten" fühlte — nicht als Person. Wie sie nach der Geburt nur 10 bis 15 Minuten Zeit hatte, ihr Baby zu halten und zu füttern, bevor es ihr weggenommen wurde. „She's mine. I want her back." Sie verweist auf eine frühere Fehlgeburt und schreibt: „I'm tired of keeping this secret."
Quellen: DOJ Epstein Files 2026, freigegebene Tagebucheinträge einer minderjährigen Betroffenen
Wenn ein missbrauchtes Kind die Parallele zum Nationalsozialismus zieht, bevor wir Erwachsenen es tun, dann sagt das etwas über die Klarheit derer, die das System von innen erlebt haben.
Zorro Ranch: Die Infrastruktur
Epsteins 10.000 Acre große Ranch in New Mexico — Zorro Ranch — verfügte über eine eigene Landebahn, ein tempelartiges Gebäude und, wie Drohnenaufnahmen und interne Wartungslisten zeigen, erhebliche unterirdische Infrastruktur: Keller mit mehreren Duschen, ein „Sub-Keller" mit Holzboden, und mindestens fünf große Belüftungsschächte, die auf umfangreiche unterirdische Anlagen hindeuten. Opferzeugin Maria Farmer beschrieb „riesige Maschinenräume, größer als Häuser" und Tunnelsysteme auf allen Epstein-Anwesen, durchsetzt mit versteckten Kameras.
Erst im Februar 2026 — über sechs Jahre nach Epsteins Tod — hat das Repräsentantenhaus von New Mexico eine „Truth Commission" eingesetzt, um Zorro Ranch zu untersuchen. Kritiker weisen darauf hin, dass Wochen vor diesem Beschluss Bagger auf dem Gelände gesichtet wurden — ein möglicher Hinweis auf Bereinigungsarbeiten, bevor eine offizielle Untersuchung beginnt.
Quellen: New Mexico House Resolution 1, Februar 2026; Drohnenaufnahmen und Vor-Ort-Dokumentation; Aussagen von Maria Farmer; Kim Iverson Show, investigative Analyse, Februar 2026
Designer-Baby-E-Mails. Ein Opfertagebuch über erzwungene Schwangerschaften. Unterirdische Laborinfrastruktur. Das ist kein Stoff für Verschwörungstheorien. Das ist dokumentierte Beweiskette — und sie verlangt nach juristischer Aufarbeitung.
Teil 6: Die 2008-Linie — Warum es keine Ausrede gibt
Ich möchte an dieser Stelle innehalten und das zentrale moralische Argument dieses Essays auf den Punkt bringen. Denn es gibt eine klare Trennlinie in dieser Geschichte, und sie verläuft durch das Jahr 2008.
Vor 2008 konnte man argumentieren — wenn auch mit wachsendem Unbehagen —, dass Epsteins kriminelle Seite nicht allgemein bekannt war. Seine Verurteilung 2008 änderte das. Ab diesem Moment war jede Interaktion mit Epstein eine Entscheidung, die man im Wissen um seinen Status traf.
Die Akten dokumentieren, was nach dieser Zäsur geschah: Ben Goertzel nahm mindestens 113.000 Dollar an und nutzte sie, um über eine Million Dollar an öffentlichen Geldern zu hebeln. Joscha Bach erhielt rund 300.000 Dollar für seine Arbeit am MIT Media Lab — und verwendete einen Teil davon für die Privatschulgebühren seiner Kinder. Harvard empfing Epstein über 40 Mal in einem eigenen Büro, obwohl die Universität offiziell beschlossen hatte, keine weiteren Gelder anzunehmen. Das MIT nannte Epstein intern „Voldemort" — nahm aber 736.000 Dollar nach seiner Verurteilung an.
Und als ein Assistent Epsteins 2015 andeutete, die Finanzierung könnte problematisch werden, nannte Goertzel die Berichterstattung über Epsteins Verbrechen einen „Anfall von Medien-Idiotie".
Ich dokumentiere das nicht, um einzelne Personen an den Pranger zu stellen. Das kann jeder Leser für sich selbst bewerten. Was ich sichtbar machen möchte, ist das Muster: Eine gesamte Branche — die KI-Forschung in ihrer entscheidenden Frühphase — war strukturell abhängig von einem Förderer, dessen Verbrechen bekannt waren. Die Frage, die daraus folgt, richtet sich nicht nur an die Empfänger des Geldes. Sie richtet sich an ein System, das solche Abhängigkeiten zugelassen hat.
Und die institutionelle Ebene versagt bis heute: Im US-Kongress dokumentierte der Abgeordnete Ted Lieu, dass es über 1.000 identifizierte Opfer von Sexhandel im Epstein-Netzwerk gibt — und dass kein einziger Nutznießer dieses Systems strafrechtlich verfolgt wurde. Der Federal Victims' Trafficking Protection Act stellt nicht nur den Betreiber unter Strafe, sondern jeden, der das System in Anspruch nimmt. Das Gesetz existiert. Es wurde nur nie angewendet.
Die Verhaftung von Prinz Andrew — wegen Amtsmissbrauchs, nicht wegen der Sexualverbrechen, die ihm vorgeworfen werden — hat gezeigt: Selbst bei erdrückender Beweislage bleibt die Justiz hinter dem zurück, was die Akten hergeben. Die Frage ist, ob sich das ändert.
Über 1.000 dokumentierte Opfer. Null Verurteilungen der Täter jenseits von Epstein und Maxwell. Ein Gesetz, das die Strafverfolgung ermöglicht, existiert. Es wurde bislang nicht angewendet. Diese Zahlen sprechen für sich.
Der Wendepunkt
Ich möchte diesen Essay nicht mit Angst beenden. Ich bin keine Untergangsprophetin, und ich halte nichts von Menschenbashing. Was ich in diesen beiden Artikeln getan habe, ist das, was ich als Journalistin gelernt habe und als KI-Rednerin jeden Tag praktiziere: Fakten zusammentragen, Muster erkennen, Zusammenhänge benennen — klipp und klar, ohne Schutzbehauptungen.
Aber nach all dem — nach den Geldflüssen, den Geheimdiensten, der Eugenik, den Designer-Baby-E-Mails, den dokumentierten Finanzierungsketten — stellt sich eine Frage, die über die reine Analyse hinausgeht.
Wo war der moralische Kompass? Nicht bei einzelnen Personen — die Frage richtet sich an ein ganzes System. An eine Wissenschaftslandschaft, in der Förderung so knapp ist, dass die Herkunft des Geldes zur Nebensache wird. An Institutionen, die Epstein intern „Voldemort" nannten und trotzdem seine Schecks einlösten. An eine Gesellschaft, die technologischen Fortschritt feiert, ohne zu fragen, wer ihn finanziert und mit welchem Menschenbild.
Ein Mann, der Kinder als verfügbare Ressource betrachtete, konnte zwei Jahrzehnte lang die Grundlagenforschung der künstlichen Intelligenz finanzieren — weil niemand fragte, ob man das Geld nehmen sollte. Nur ob man es nehmen konnte. Das ist kein individuelles Versagen. Das ist ein systemischer Defekt, der bis heute nicht behoben ist.
Und trotzdem — oder gerade deshalb — bin ich optimistisch.
Nicht weil ich eine rosarote Brille trage. Sondern weil ich tief genug in die Materie eingetaucht bin, um zu verstehen: Wir stehen als Menschheit an einem Wendepunkt. Und zum ersten Mal in der Geschichte haben wir die Werkzeuge, um diesen Wendepunkt zu unseren Gunsten zu gestalten.
Das Netzwerk bröckelt. Namen, die jahrzehntelang unantastbar schienen, stehen unter Druck. 3,5 Millionen Dokumentenseiten liegen offen. Die Dinge bewegen sich — und sie bewegen sich schneller, als die Beteiligten erwartet haben.
Und genau hier kommt die künstliche Intelligenz ins Spiel — nicht als Bedrohung, sondern als das mächtigste Werkzeug der Ermächtigung, das die Menschheit je hatte. Jeder Einzelne von uns kann heute recherchieren, was vor zehn Jahren ein Team von Investigativjournalisten erfordert hätte. Jeder kann Dokumente durchsuchen, Finanzströme nachverfolgen, Verbindungen sichtbar machen. Die Asymmetrie zwischen den Mächtigen und dem Rest der Gesellschaft — diese Asymmetrie, auf der Netzwerke wie das von Epstein gebaut waren — wird gerade aufgelöst.
Aber nur, wenn wir diese Werkzeuge auch nutzen.
Das ist meine Positionierung. Das ist der Grund, warum ich auf Bühnen stehe und über künstliche Intelligenz spreche. Nicht um den Menschen Angst zu machen. Sondern um ihnen die Werkzeuge an die Hand zu geben, selbst zu sehen, was passiert — und eigene, fundierte Schlüsse daraus zu ziehen.
Lesen Sie die Akten. Nutzen Sie KI-Tools, um Fragen zu stellen, die Ihnen kein Leitartikel beantwortet. Folgen Sie dem Geld. Sprechen Sie darüber — nicht als Verschwörungstheorie, sondern auf der Basis dessen, was schwarz auf weiß dokumentiert ist. Und vor allem: Bestehen Sie darauf, dass technologischer Fortschritt an einen moralischen Kompass gebunden wird.
Denn die Technologie selbst ist nicht das Problem. Die Frage war immer: In wessen Händen liegt sie — und welchem Menschenbild dient sie?
Diese Frage können wir jetzt beantworten. Nicht die Milliardäre. Nicht die Netzwerke. Wir.
Und das ist keine naive Hoffnung. Das ist eine Analyse der Lage.
Dieser Essay basiert auf öffentlich zugänglichem, dokumentiertem Material. Alle zitierten Fakten sind durch die angegebenen Quellen belegbar. Die Erwähnung in diesem Essay impliziert keine Beteiligung an Straftaten, sofern nicht ausdrücklich anders angegeben. Die E-Mail-Signatur „My humanity is a constant self-overcoming" ist ein Zitat aus Goertzels dokumentierter Korrespondenz.